Param Krupalu Dev enthüllt in der Shri Atmasiddhi Shastra das Wissen, das uns allein in einer sich wandelnden Welt glücklich und unberührt bewahren kann, und zeigt auch den Weg zu diesem Wissen auf. Im Ingenieurwesen ist Wissen über Medizin und Chirurgie nutzlos. Gesetzbücher sind für einen Arzt wertlos, da ein tiefes Jurastudium weder bei der Diagnose noch bei der Behandlung einer Krankheit hilft. In jedem Bereich bedeutet Wissen Wissen über die damit verbundenen Themen. Für einen Arzt sind Kenntnisse über Anatomie, Krankheiten, deren Symptome und die notwendigen Medikamente unerlässlich. Ein Anwalt benötigt Rechtskenntnisse und die Fähigkeit, Zeugen zu vernehmen. Für einen Geschäftsmann sind Kenntnisse über die Mentalität der Kunden, Produkte und Markttrends von Nutzen. Ebenso wird im spirituellen Bereich nur das Wissen über das Selbst als Wissen bezeichnet. Der nach Befreiung strebende Mensch erwirbt Wissen über die Welt und andere Dinge nur, um die Beziehung zwischen dem Selbst und der Welt zu verstehen. Selbst beim Erwerb von Informationen über die Welt bleibt sein Fokus allein auf dem Bewusstsein. Jegliches Wissen, das zur Manifestation der Reinheit des Selbst beiträgt, wird hier allein geschätzt. Im spirituellen Bereich ist weltliches Wissen, egal wie viel man sich aneignet, bedeutungslos, wenn das Bewusstsein nicht fokussiert ist.
Erkenntnis des Bewusstseins
Allein durch das Studium der heiligen Schriften kann man keine wahre Erkenntnis des Selbst erlangen. Das Wissen aus den Schriften ist indirekt; es kann nicht vollständig erfasst werden. Daher muss man direkte Erkenntnis des Selbst erlangen. Auch im Alltag kommt es nicht darauf an, wie viele Bücher ein Arzt gelesen hat, sondern wie korrekt er eine Krankheit diagnostizieren und uns durch die richtige Medizin Linderung verschaffen kann. Wer dies kann, gilt als Arzt. Ebenso wird ein Anwalt, der unseren Fall vor Gericht gewinnt, als Anwalt anerkannt. Auch derjenige, der nach Befreiung strebt, sucht nach dem Wissen, das ihm hilft, sein Karma zu überwinden. Schriftliches Wissen kann Unwissenheit nicht vertreiben; nur Erfahrungswissen vermag dies.
Die Heilige Schrift allein genügt nicht.
Das immense Wissen der heiligen Schriften, das man sich durch ein Leben voller Anstrengung aneignet, erscheint blass und trügerisch im Vergleich zum reinen Licht der Selbsterkenntnis. Unkenntnis der Natur des Selbst ist im Grunde Unwissenheit. Wissen hingegen beseitigt diese Unwissenheit. Wahres Wissen entsteht, wenn die Identifikation mit dem Körper verschwindet, das Verweilen im Selbst bestehen bleibt und das Gefühl des Ichs in den durch Karma entstehenden Gefühlen nicht mehr vorhanden ist. Um ein persönliches, reines und klares Wissen über das Selbst zu erlangen – und nicht nur gehörtes Wissen –, ist eine direkte Selbsterkenntnis notwendig. Im Bereich der Spiritualität gilt allein solche Erfahrung als Wissen. Bücher über Mangos zu lesen, vermittelt nicht den Geschmack einer Mango. Ohne eine Mango zu essen, erlebt man nicht nur ihren Geschmack nicht, sondern versteht auch nicht ihr Wesen. Genauso verhält es sich mit dem Selbst. Aus den heiligen Schriften kann man intellektuelle Überzeugung gewinnen, doch so viel man auch liest, hört oder diskutiert, solange man das Selbst nicht unmittelbar erkennt und den Ozean der Glückseligkeit erfährt, bleibt jedes Verständnis des Selbst unvollständig. Nur wer die Glückseligkeit des Selbst auch nur einmal gekostet hat, kann das Selbst wahrhaftig verstehen.
Um das Erlebnis zu erreichen
Um Selbsterkenntnis zu erlangen, müssen wir uns auf die Worte der Erleuchteten stützen. Wer noch nie in einem fremden Land war, kann Informationen über die Menschen, ihren Lebensstil, ihre Sitten und Gebräuche usw. gewinnen, indem er denen zuhört, die dort waren, oder ihre Reiseberichte liest. Ebenso kann man aus den heiligen Schriften Wissen über die belebten und unbelebten Dinge der Welt erlangen, die Einsichten der Erleuchteten in Bezug auf Situationen und Gefühle sowie ihre Erfahrungen auf dem Pfad der spirituellen Praxis. Zu Beginn sollte der Suchende dieses Wissen aus den heiligen Schriften beziehen, damit es ihm hilft, im Einklang mit seinem wahren Selbst zu bleiben oder ihm näherzukommen.
Sinne und darüber hinaus
Der Geist sammelt Erfahrungen, die ausschließlich von den Sinnesorganen aufgenommen werden. Diese stammen alle aus der Außenwelt, da die Sinne nur das Äußere erfassen können. Sie können nicht nach innen vordringen. Aus diesen subtilen Wellen von Sinneserfahrungen entstehen Gedanken. Daher können Gedanken in der wissenschaftlichen Forschung hilfreich sein, nicht aber, um sich der höchsten Wahrheit anzunähern. Das Bewusstsein im innersten Zentrum eines Menschen lässt sich nicht durch bloße Worte erreichen.
Gedanken können die Existenz des Selbst nicht offenbaren. Im Gegenteil, der Nebel der Gedanken verhüllt die eigene Gegenwart. Sie erschweren den Zugang zum Wesen des Selbst.
Reflexion und Behandlung
Sich hinzusetzen und über den intellektuellen Begriff der Wahrheit nachzudenken, ist wie für einen Blinden, über das Licht nachzudenken. All seine Überlegungen sind vergeblich, denn Licht ist nichts, worüber man nachdenken kann, sonderns, was man sieht. Deshalb braucht er keine Grübeleien, sondern eine Augenbehandlung. Er braucht den Rat eines Arztes, nicht den eines Philosophen.
Ein Gedanke ist „Reflektieren“, das Sehen hingegen „Heilung“. Um die Wahrheit zu erlangen, ist Heilung nötig. Um Licht zu sehen, muss er seine Augen heilen. Reflexion ist das gedankliche Bemühen des Blinden, über das Licht nachzudenken, während spirituelle Praktiken der Heilung gleichen, die er durchführt und mit der er seine Augen würdig macht, das Licht sehen zu können.
Experimentieren, um zu erfahren
Dein Geist bleibt meist getrübt von Gedanken an und Reaktionen auf Sinnesobjekte. Ihre turbulenten Wellen errichten eine gewaltige Mauer, die dich von der Erfahrung deiner wahren Natur abhält. Wie die Sonne das Meer erhellt und Wolken entstehen lässt, die sie verdecken, so erzeugt das menschliche Bewusstsein in Verbindung mit Sinnesobjekten Gedanken und Reaktionen und verliert sich darin. Der Mensch kann sich den Zugang zu seiner wahren Existenz verschließen. Doch wer sich selbst fesseln kann, ist auch fähig, sich von diesen Fesseln zu befreien. Freiheit ist immer ein zweischneidiges Schwert. Die Macht zu erschaffen birgt die Macht zu zerstören in sich. Es ist von größter Wichtigkeit, diese Wahrheit zu bedenken.
Erfahrungswissen
Bis der gesäte Same in der Erde keimt und Sonnenlicht empfängt, durchleidet er tiefe Qualen. Der Mensch gleicht dem Samen in der Dunkelheit. Solange er keine Erleuchtung, keine Selbsterkenntnis erlangt, leidet er und ist unruhig. Erst wenn sich seine Aufmerksamkeit dem Wesen des Selbst zuwendet, findet er wahren Frieden. Nur die Erfahrung des Seins führt zur Selbsterkenntnis, und erst dann endet das seit Urzeiten bestehende Leiden, und die ewige Glückseligkeit offenbart sich.
Das, wodurch die Seele rein wird, der Geist sich auflöst und die Wahrheit erkannt wird, wird von Gott als Erkenntnis bezeichnet. Was in den Schriften gegeben wird, ist lediglich Information und sehr oberflächlich. Solche Information kann keine Transformation bewirken. Sie erweitert zwar den Wortschatz und erzeugt eine Illusion der Transformation. Param Krupalu Dev hat im Shri Atmasiddhi Shastra klar erklärt, dass bloßes intellektuelles Wissen über die Schriften ein Hindernis für das spirituelle Wohlbefinden darstellt, wohingegen ein würdiger Suchender, der den Anweisungen seines Sadgurus folgt, Erfahrungswissen erlangt, das ihn schließlich vom Kreislauf von Geburt und Tod befreit.









